Wer von der Rheinebene herauf blickt, sieht die Ruine schon von Weitem.
Um 1235 ließ Conrad I. von Strahlenberg die Burg auf dem Schlossberg erbauen.
Sie wurde zum Stammsitz seiner Familie und später zum Mittelpunkt einer kleinen Herrschaft über Schriesheim und die Umgebung.Doch der Beginn war alles andere als ruhig: Der Bau sorgte für Ärger mit einem mächtigen Kloster und brachte Conrad sogar in kaiserliche Ungnade.
Trotz vieler Stürme, Kriege und Jahrhunderte des Verfalls steht die Burg noch heute – und erzählt ihre eigene Geschichte von Macht, Mut und Neubeginn.
🏰 Die Anfänge im 13. Jahrhundert
Conrad I. von Strahlenberg ließ um 1235 eine wehrhafte Anlage mit Turm und Wohngebäuden errichten.
Das Problem: Das Land gehörte dem Kloster Ellwangen, auf dessen Boden die Burg ohne Erlaubnis gebaut wurde.
Der Abt beschwerte sich beim Kaiser – und Conrad wurde mit dem Bann belegt.
Kurzzeitig galt er sogar als vogelfrei, also ohne rechtlichen Schutz.
Schließlich einigten sich beide Seiten: Die Burg durfte stehen bleiben, musste aber als Lehen des Klosters gelten.
Damit war sie zwar nicht mehr eigenständig, wurde aber zum offiziellen Stammsitz der Familie Strahlenberg.
Der runde Bergfried, der bis heute über Schriesheim wacht, stammt noch aus dieser Zeit.
Im 14. Jahrhundert kamen größere Wohnräume und gotische Fenster hinzu – die Strahlenburg wurde zu einem herrschaftlichen Zuhause über der aufstrebenden Stadt Schriesheim.
⚔️ Aufstieg und Niedergang im Mittelalter
Über ein Jahrhundert lang blieb die Burg im Besitz der Strahlenberger.
Sie herrschten über Schriesheim, bis finanzielle Schwierigkeiten sie zwangen, Burg und Ort zu verkaufen.
1347 übernahm die Kurpfalz die Anlage – und die Strahlenburg verlor ihre Eigenständigkeit.
Im 15. Jahrhundert kam es zu einem blutigen Kapitel:
1470 belagerte Kurfürst Friedrich I., genannt „der Siegreiche“, die Burg.
Nach einer Woche wurde sie erobert und teilweise zerstört.
Viele Verteidiger verloren ihr Leben, und Schriesheim verlor seine Stadtrechte.
Nur wenige Jahre später, 1488, vernichtete ein Großbrand den größten Teil der Anlage.
Damit begann die lange Zeit der Ruine, die bis heute das Bild der Strahlenburg prägt.
🕰️ Vom Steinbruch zur Romantik
Nach 1504 wurde die Burg endgültig aufgegeben.
Später nutzten Winzer die alten Steine, um ihre Weinbergsmauern zu bauen.
Trotzdem blieb der Burgturm erhalten – ein markanter Blickfang über der Stadt.
Im 18. und 19. Jahrhundert entdeckten Dichter und Maler die Ruine neu.
Sie wurde zum romantischen Symbol vergangener Zeiten.
Selbst Heinrich von Kleist soll beim Anblick der Strahlenburg Inspiration für sein Schauspiel
„Das Käthchen von Heilbronn“ gefunden haben.
🍷 Wiederbelebung im 20. Jahrhundert
Um 1900 kam neues Leben auf die Burg:
Der Schriesheimer Jakob Erdmann versorgte Wanderer an Sonn- und Feiertagen mit Wein und Vesper.
Sein Sohn und später die Familie Lauer bauten daraus ein richtiges Gasthaus.
1933 kaufte die Familie die Burg – sie wurde zum Zuhause und zur beliebten Burgschenke.
In den 1960er-Jahren entstand der große „Burgsaal“ mit Panoramablick über die Rheinebene.
Bis ins Jahr 2022 wurde auf der Strahlenburg fast durchgehend bewirtet – über 100 Jahre lang!
🏗️ Gegenwart und Zukunft
Nach dem Ruhestand des letzten Pächters 2022 wurde das Burgrestaurant geschlossen.
Die Besitzerfamilie Lauer und ein neuer Miteigentümer beschlossen 2023, die Burg zu verkaufen.
Seither gibt es in Schriesheim eine engagierte Bürgerinitiative, die Spenden sammelt, um die Burg als öffentliches Kulturerbe zu sichern.
Ihr Ziel: eine Stiftung Strahlenburg, damit das Wahrzeichen auch künftig der Stadt und ihren Besuchern gehört.
Im Herbst 2025 wurde der Verkaufspreis deutlich gesenkt und nach der Kaufzusage offiziell die Strahlenburg Stiftung gegründet mit dem Ziel, nach der Spendensammlung, die Burg endgültig zu übernehmen.
🕰️ Zeittafel – Wichtige Stationen der Strahlenburg-Geschichte
| Jahr | Ereignis | Anmerkung |
|---|---|---|
| 1235 | Bau der Strahlenburg | Errichtet durch Conrad I. von Strahlenberg auf Klosterland; später als Lehen anerkannt. |
| 1240 | Erste urkundliche Nennung | Die Burg dient als Verwaltungssitz der Strahlenberger. |
| 1347 | Übergang an die Kurpfalz | Ende der Eigenherrschaft der Strahlenberger. |
| 1470 | Belagerung durch Kurfürst Friedrich I. | Burg eingenommen und teilweise zerstört; Schriesheim verliert Stadtrechte. |
| 1488 | Großbrand | Die Burg brennt weitgehend aus und wird nicht wieder aufgebaut. |
| 1504 | Zerstörungen im Landshuter Erbfolgekrieg | Weitere Schäden durch hessische Truppen. |
| 1733 | Abbruch als Steinbruch | Burgsteine werden zum Bau von Weinbergsmauern verwendet. |
| 1784 | Grafen von Oberndorff übernehmen die Ruine | 1828 folgt der Kauf und erste Sicherungsmaßnahmen. |
| 1899 | Erste Ausflugsgastronomie | Jakob Erdmann bewirtet Wanderer auf der Burg. |
| 1933 | Kauf durch Familie Lauer | Die Burg wird privater Besitz und Gasthaus. |
| 1963 | Ausbau des Burggasthofs | Neuer „Burgsaal“ mit Panoramafenstern. |
| 2001 | Tod von Heinz Lauer | Der Familienbetrieb wird von Pächtern weitergeführt. |
| 2023 | Verkauf der Burganteile | Ein neuer Miteigentümer beteiligt sich; Entscheidung zum Gesamtverkauf. |
| 2026 | Bürgerinitiative kauft die Strahlenburg | Bürgerinitiative „Rettet die Strahlenburg“ mit gesammelt Spenden. |
🏁 Fazit
Die Strahlenburg ist weit mehr als nur eine Ruine über Schriesheim.
Sie steht für acht Jahrhunderte Geschichte, für Wandel, Zerstörung und Wiederaufbau – und für den Zusammenhalt der Menschen in der Stadt.
Ob als Aussichtspunkt, Ausflugsziel oder Ort der Erinnerung:
Die Strahlenburg bleibt das Herzstück von Schriesheim – und hoffentlich noch lange ein Ort, an dem Geschichte lebendig bleibt.
📚 Quellen
- lokalmatador.de
- de.wikipedia.org
- commons.wikimedia.org
- spottinghistory.com
- sites.google.com
- strahlenburg-lauer.de
- 2023.schriese.de
- mannheimer-morgen.de
- heidelberg24.de
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